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Um es vorweg zu nehmen: Hätte Gruppa Karl-Marx-Stadt den Song „Der glücklichste Tag“ an den Anfang ihrer 2017 erschienenen Platte „Russkoje Disko“ gestellt, wäre die Verwunderung unter ihren Fans zunächst groß gewesen. Schunkelmusik vom Feinsten! Gut genug, um im bayrischen Bierzelt beim Frühschoppen vor sich hin zu dudeln. Aber so einen Spaß kann sich eine Band, die mit dieser Scheibe ihre musikalische Reifeprüfung ablegt, eben einfach mal erlauben. Man will fast sagen die Jungs sind erwachsen geworden. Doch eben solche Ausflüge in die Welt der Blasmusik machen deutlich: Erwachsenwerden ist etwas für jene, die keinen Spaß mehr verstehen. Nichtsdestotrotz kann ihnen eine gewisse Reife nicht abgesprochen werden. Denn was die fünfköpfige Band an musikalischem Feuerwerk abbrennt, sucht seinesgleichen. Schon der Opener „Model“ – eine Uptempo-Nummer um die 190 bpm – macht deutlich, wohin die Reise in den nächsten 48 Minuten geht: Drums auf den Punkt und Bläsersätze, die im Laufe der Platte immer wieder die melodische Führung übernehmen. Was auffällt: Mit dem russischem Songtext knüpfen Gruppa Karl-Marx-Stadt erst einmal an ihre Vorgängerplatte an. Mit der zweiten Nummer „Wodka“ wagt sich Frontmann Alexey dann erstmals an deutsche Vocals, die er stolz mit Akzent ins Mikrofon singt, zeitweise sogar rappt. Im Übrigen klangen die Folgen eines Wodka-Rauschs nie so eingängig wie bei dieser Huldigung des russischen Nationalgetränks. So auch der Titelgeber des Albums, „Russkoje Disko“. Ska trifft Balkan! Und als Zuhörer ist man fast geneigt, die Melodie der Trompete mitzugrölen – wenn sie nur nicht so verdammt schnell wäre. Zum Verschnaufen kommt der anschließende Rumba-Ausflug im Song „Arbeitslos“ ganz gelegen. Selten hat man die Schwere dieses Themas mit solch einer Gelassenheit kombiniert, so dass man am Ende sagen muss: „Kein Problem, mein Junge. Wer braucht schon einen Job, wenn er solche Lieder schreiben kann?“ Und so hangelt sich der geneigte Zuhörer von Lied zu Lied, durch Texte – mal auf Russisch, mal auf Deutsch –, die von sexy Bekanntschaften, der großen Liebe, überschätzen Superstars und Leibgerichten handeln. Langweilig wird die Platte auch nach der zehnten Runde nicht. Dafür sorgen stetig eingestreute Feinheiten und Überraschungsmomente – vom unerwarteten Gitarren-Solo über kurze Auftritte einer Background-Sängerin bis zum Elektrobeat. Letzterer liefert das Fundament zu einem Schmankerl, das Sommerhit-Potenzial mitbringt. Anfangs mit unscheinbarem Schifferklavier setzt sich „Bum Bum Bam“ während seinen dreieinhalb radiotauglichen Minuten als Ohrwurm im Kopf fest, der nicht so schnell wieder geht. Fazit: Mit „Russkoje Disko“ legt Gruppa Karl-Marx-Stadt die Latte in Sachen Balkan-Pop ziemlich hoch. Wenn die Beine ein Gesicht hätten, kämen sie angesichts solch ausgefeilter Tanznummern aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus. Und insgeheim hofft man, dass dem Quintett mit dem nächsten Album erneut ein solcher Quantensprung gelingt.

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